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Villa Lemm

Wo der heutige Bardeyweg auf den Rotenbücherweg trifft, liegt der Haupteingang zur Villa Lemm.
Für den Berliner Fabrikanten von Schuhputz mitteln Otto Lemm erbaute der Architekt Max Werner 1907/08 dieses großzügige Anwesen, das einschließlich der Erweiterungen von 1913 den Wohnkomplex, ein Boots- und Gewächshaus, ein Pförtner- und Wirtschaftsgebäute sowie 3 Gartenpavillons umfaßt.
Außerhalb des heute umfriedeten Grundstücks gehörte zu Lemms Eigentum das Areal bis an das Gebiet Weinmeisterhöhe/Haveldüne.
Villa Lemm Eingang
Foto: Sylvia Richter         http://www.sylviarichter.de
Davon zeugen noch das Wirtschaftsgebäude für die Ländereien, Gatower Str. 301 (von nahem zu betrachten über die Straße Am Havelufer), und das Landhaus Clara Lemm (Gatower Str. 231/233). Dieses Gebäude und einen Pavillon am Havelhang ließ die Tochter von Otto Lemm, Clara Lemm, 1931 von dem Architekten Walter Ahnert errichten. Es ist eines der wenigen erhaltenen und unverbaut sichtbaren Landhäuser Gatows.
Der modern-sachliche Stil der Erbauungszeit ist außen noch erhalten, während im Innern -auch durch die Erfordernisse heutiger Nutzung als Kindertagesstätte- kaum etwas vom Originalzustand bewahrt blieb.)
Villa Lemm - Wasserseite
Foto: Sylvia Richter         http://www.sylviarichter.de
1929 kaufte der ungarische Mediziner jüdischen Glaubens Janos Plesch das Anwesen des inzwischen verstorbenen Otto Lemm. Die Villa Lemm entwickelte sich zum Gesprächsforum bekannter Zeitgenossen aus Pleschs Freundeskreis. Einer davon war sein Patient, der Physiker Albert Einstein (1879-1955). Er soll einige Monate bei Plesch gewohnt und im Pavillon am Ufer musiziert haben. Der Legende nach versammelten sich dort die vorbeiziehenden Freizeitschiffer auf der Havel, um den Melodien zu lauschen.
Nach Pleschs Emigration im Juni 1933 nach Großbritannien übernahm der Bezirk Spandau das Areal. Der nationalsozialistische Spandauer Bezirksbürgermeister Max Harrer wohnte wohl zeitweise hier.
Infolge der Niederlage des Deutschen Reiches im 2. Weltkrieg zog Großbritannien gemäß interalliierter Vereinbarung im Juli 1945 in Berlin ein. Als Residenz ihres Stadtkommandanten wählte die Besatzungsmacht die Villa Lemm aus. Das kleine Gatow beherbergte somit den Befehlshaber des britischen Sektors von Groß-Berlin. Dieses Gebiet erstreckte sich zunächst über den gesamten Nordwesten der Reichshauptstadt mit den Bezirken Spandau, Charlottenburg, Wilmersdorf, Tiergarten, Reinickendorf und Wedding. Im August 1945 gab Großbritannien die beiden letztgenannten Bezirke zur Bildung eines eigenen Sektors an Frankreich ab.

Die Villa blieb bis zur Aufhebung des Besatzungsstatus 1990 ununterbrochen Sitz des formal ranghöchsten britischen Soldaten an Spree und Havel. Wenn Mitglieder der britischen Königsfamilie zu mehrtägigen Besuchen in Berlin weilten, übernachteten sie meist hier.

Da das Gebäude schon zum Ende der Besatzungszeit nicht mehr renoviert wurde, stellten sich während des nachfolgenden Leerstands Schäden an Decken, Fußböden sowie den Heizungs- und Wasserleitungen ein.

1994 prüfte die Bundesregierung in Vorbereitung ihres Umzugs nach Berlin, ob der deutsche Bundeskanzler hier seine Wohnung nehmen könnte. Vor allem Sicherheitsaspekte (schmale Zugangsstraße, lange Anfahrtswege, offene Wasserseite) führten zur Ablehnung des Vorschlags.

1995 kaufte dann der Unternehmer Dr. Hartwig Piepenbrock das heute 24 000 m² große Areal für ca. 11 Mio DM. (Zum Kerngeschäft der Piepenbrockgruppe gehören neben der Gebäudereinigung auch das Gebäudemanagement.)
Zusammen mit den Bauwerken stellte der neue Hausherr auch die Gartenanlagen unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten bis 1997 wieder her. Dabei verschwanden der von den Briten angelegte Swimmingpool mit Havelblick ebenso wie der Tennisplatz. Der geplante Bau eines firmeneigenen Schulungszentrums war zwar bereits genehmigt, wurde aber zurückgestellt und bisher nicht verwirklicht.
Schild am Eingang
Foto: Sylvia Richter         http://www.sylviarichter.de

Hartwig Piepenbrock ist für die Wiederherstellung und Bewahrung dieses Juwels der Havellandschaft und des Ortsteils Gatow besonderer Dank auszusprechen.

Obwohl sich nach dem Umzug der deutschen Bundesregierung 1999 kein Staat mit einer Botschaft oder mit einer Botschafterresidenz in Gatow ansiedelte, hat das Haveldorf auch einen kleinen Anteil am Spektrum ausländischer Vertretungen durch Piepenbrock erhalten: Er fungiert als Honorarkonsul der Karibikinsel Commonwealth der Bahamas für den Konsularbezirk Nord- und Ostdeutschland. Die Bahamas unterhalten in Deutschland selbst keine eigene Botschaft.

Adresse: Villa Lemm, Rothenbücherweg 2-4, 14089 Berlin
Bus 134, Haltestelle Pfirsichweg


Hinzuweisen ist in der Umgebung der Villa Lemm noch auf die ursprüngliche dörfliche Anlage am Rothenbücherweg Richtung Havel mit den Wohnhäusern Nr. 19 und 22 aus der Zeit von 1845, der alten Straßenpflasterung und der Dorfablage am Fluß. Vor dem um 1860 erbauten Wohnhaus Bardeyweg 5-7 steht ein sehenswertes Naturdenkmal, eine mind. 400 Jahre alte Eiche.

Bei dem Gebäude Bardeyweg 9 handelt es sich um ein Mietshaus von 1900.

Bardey war ein Chronist des Havellandes und Verfasser des 1892 erschienenen Buches "Geschichte von Nauen und Osthavelland".

Rothenbücher war Schiffsreeder. Ihm gehörte u.a. das Gebiet auf dem die nach ihm benannte Straße verläuft. Gatower Str. 235 H steht noch die Villa Rothenbücher am Havelufer.

Ingo Marquardt
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