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Ehemaliges Auslandshaus

In Gatow sind einige als typisch nationalsozialistisch zu klassifizierende Bauten zwischen 1934 und 1945 entstanden:

- Die heutige Grundschule am Windmühlenberg (Am Kinderdorf 23-27), die in einem in den letzten Monaten des 2. Weltkrieges begonnenen, aber nicht mehr fertig gestellten Lazarettbau der Organisation Todt untergebracht ist.

- In Hohengatow sind dies neben dem Auslandshaus das Lazarett und Erholungsheim der Organisation Todt von 1944 (Waldschluchtpfad 27, heutiges Wohnpflegezentrum) und die Offiziersmietvillen entlang des Kladower Damms, des Hellebergewegs und des Uetzer Steigs von 1937, u.a. für Angehörige der Luftwaffe auf dem Flugplatz Gatow.

- Im Habicht(s)wald wurde 1935 die Fliegerhorstsiedlung gebaut.

- Bereits in Kladow liegen heute der Komplex des Flughafens Gatow mit der Kriegsschule der Luftwaffe (Kladower Damm 182-270, jetzt General-Steinhoff-Kaserne) und die Lufttechnische Akademie (Kladower Damm 217-295, jetziges Krankenhaus Havelhöhe), beide 1934-36 erbaut. Im Kladower Ortsteil Hottengrund kommt noch aus der gleichen Erbauungszeit die zweite Luftwaffenkaserne (Sakrower Landstr. 90-146, jetzige Blücher-Kaserne) hinzu.

Oberhalb des bewaldeten Havelhangs am Ende des Breitehornwegs liegt das 1937-38 erbaute frühere Auslandshaus der nationalsozialistischen Staatsjugendorganisation Hitler-Jugend (HJ) eingebettet in die Flusslandschaft.

Um Kinder und Jugendliche früh und zielgerichtet an das NS-System zu binden, legten die Machthaber besonderen Wert auf den Bau von Heimen der Hitler-Jugend und des Bundes Deutscher Mädel. Das ganze Land sollte mit einem dichten Netz von Heimen überzogen werden, wobei ein Höchstabstand von 25 km von einem zum anderen vorgesehen war.
Durch den 2. Weltkrieg kamen diese Pläne jedoch nur ansatzweise zur Ausführung.
Als Reichsarchitekt für diese Art der Gebäude wurde Fritz Gerhard Winter aus Berlin berufen. Er entwarf im Rahmen des "Bauprogramms der Jugend" dementsprechend auch das Auslandshaus in Hohengatow am Rande der Reichshauptstadt.
Zum einen sollte es der Begegnung deutscher Jugendlicher mit jungen Menschen befreundeter Staaten dienen -und hier speziell denen des Bündnispartners der Achse Berlin - Rom. Daher trifft man auch häufig auf die Bezeichnung "Italienhaus".
Zum anderen war ausdrücklich eine Nutzung für repräsentative Anlässe des Jugendführers des Deutschen Reiches vorgesehen.
Foto von der Hofseite
Foto: Sylvia Richter         http://www.sylviarichter.de
Foto von der Säulenreihe mit Havel
Foto: Sylvia Richter         http://www.sylviarichter.de
Das Areal in Hohengatow umfasst das 40 Gästen, insbesondere Jugendführern, Platz bietende Hauptgebäude mit einer durch einen offenen Säulengang betonten Schauseite zur Terrasse. Eine Pergola führt dann zum viereckigen Gartenhaus, das direkt am Abhang zur Havel steht.
Rechtwinklig zum Haupttrakt ist der Wirtschaftsflügel angefügt, in dem auch 2 Autos abgestellt werden konnten. Diese L-förmige Anordnung bildet zusammen mit dem Waldstück einen Hofplatz für Appelle, an dessen Einfahrt ein Fahnenmast stand.
Im Erdgeschoß des Hauptgebäudes lagen u.a. der Empfangssaal, der Kamin- und Musikraum sowie der Speisesaal. Im 1. Stock befanden sich die Wohn- und Unterkunftsbereiche.

Im Januar 1945 soll sich auf dem Gelände eine "Gruppe der Selbstopferer" der Luftwaffe der deutschen Wehrmacht gesammelt haben. Die Angehörigen dieser Gruppe sollten hier auf ihren Einsatz ähnlich dem der japanischen Kamikazeflieger vorbereitet werden. Zum Einsatz kam es jedoch nicht, da die speziell dafür zu entwickelnden Fluggeräte vor der Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 nicht mehr fertiggestellt werden konnten.

Den 2. Weltkrieg überstand die Anlage unbeschadet. Nachdem das benachbarte Lazarett der Organisation Todt in den Nachkriegsjahren in ein städtisches Krankenhaus umfunktioniert wurde, diente das Auslandshaus zusammen mit einem um 1964 ergänzend errichteten Hochhaus als Wohnung für die Krankenschwestern.

Seit Beendigung des Krankenhausbetriebs und der Einrichtung eines Wohnpflegezentrums hat das Auslandshaus trotz der 2001 abgeschlossenen Restaurierung keine neue dauerhafte Funktion mehr erhalten. Es wurde durch die Berliner Krankenhausbetreibergesellschaft Vivantes verkauft.

Adresse: Ehemaliges Auslandshaus, Breitehornweg 54, 14089 Berlin
Bus 334, Endhaltestelle Waldschluchtpfad,
Busse X34, 134, Haltestelle Breitehornweg, dann jeweils Fußweg


Die auf den Gebäudekomplex zuführende Straße hieß auf Antrag der Hitler-Jugend ab März 1939 "Am Auslandshaus". Diese Bezeichnung überlebte das Ende des NS-Regimes um 8 Jahre. Erst November 1953 erfolgte die Umbenennung in Breitehornweg. Die neue Bezeichnung nimmt Bezug auf die in die Havel hineinragende breite Landmasse, deren Scheitelpunkt ungefähr die Lebensrettungsstation am Ufer markiert.

Ingo Marquardt
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